Abwasserpumpe auswählen: der Fachratgeber
Die meisten Schäden an Abwasserpumpen entstehen nicht durch Materialfehler, sondern durch eine Pumpe, die nicht zum Medium passt: Korrosion durch chemisch belastetes Wasser, Verstopfung durch Fasern, Trockenlauf bei falscher Niveausteuerung oder ein zu knapp gewählter Betriebspunkt. Die Auswahl ist deshalb weniger eine Frage des Modells als eine Frage von fünf technischen Parametern. Dieser Beitrag führt durch diese Parameter.

Eine Abgrenzung vorweg: Die hier behandelten Pumpen fördern kein fäkalienhaltiges Abwasser. Sobald Fäkalien oder langfaserige organische Bestandteile anfallen, gehört der Einsatz in die Kategorie der Fäkalien- und Kanalradpumpen mit entsprechender Hydraulik und doppelter Gleitringdichtung.
Schritt 1: Das Fördermedium analysieren
Das Medium bestimmt fast alles Weitere. Entscheidend sind vier Eigenschaften:
Verschmutzungsgrad und Feststoffe: Regenwasser und leicht verschmutztes Wasser stellen geringe Anforderungen. Mit zunehmendem Feststoffanteil wird der freie Kugeldurchgang zum Auswahlkriterium.
Faseranteil: Langfaserige Bestandteile sind die häufigste Verstopfungsursache und verlangen eine fasergängige Hydraulik.
Chemische Belastung: Salzgehalt, pH-Wert und aggressive Beimengungen entscheiden über die Werkstoffwahl (siehe Schritt 4).
Temperatur und Abrasivität: Mediumstemperatur und der Anteil an Sand oder Schlamm beeinflussen Werkstoff und Dichtung.
Schritt 2: Betriebspunkt bestimmen
Förderhöhe und Fördermenge legen den Betriebspunkt fest. Massgebend sind die geodätische Höhe sowie die Rohrleitungsverluste – nicht nur die reine Höhendifferenz. Der ermittelte Betriebspunkt wird in die Kennlinie der Pumpe eingetragen; er sollte im mittleren, wirkungsgradgünstigen Bereich liegen, nicht am Rand der Kennlinie. Eine zu klein gewählte Pumpe erreicht die Förderhöhe nicht, eine deutlich überdimensionierte arbeitet ineffizient und schaltet zu häufig.
Schritt 3: Die passende Hydraulik
Die Laufradbauart entscheidet über Fasergängigkeit und Feststofftauglichkeit:
Mehrkanalrad: offenes Laufrad für leicht verschmutztes Wasser mit kleineren Feststoffen, kompakt und unempfindlich.
Einkanalrad: für stärker verschmutzte, schlammige Medien mit festen Anteilen, mit gutem Wirkungsgrad bei höheren Fördermengen.
Wirbelrad (Freistromrad): das Laufrad ist im Spiralgehäuse zurückgesetzt, Feststoffe werden am Laufrad vorbeigefördert – die fasergängigste Bauart mit dem geringsten Verstopfungsrisiko.
Schritt 4: Werkstoff nach Chemie und Abrasion
Der Werkstoff folgt aus der chemischen Belastung. Grauguss eignet sich für mechanisch beanspruchtes, chemisch unkritisches Abwasser. Standard-Edelstahl (1.4301) deckt leicht verschmutztes Wasser ohne aggressive Beimengungen ab. Bei Chloriden und niedrigem pH-Wert braucht es höher legierte, molybdänhaltige Edelstähle (z. B. 1.4436) oder – bei sehr hohem Salzgehalt – chemisch inerte Kunststoffe wie glasfaserverstärkten Kunststoff. Abrasive Sand- und Schlammanteile verlangen zusätzlich verschleissfeste Laufräder und Gehäuse.
Schritt 5: Aufstellung, Betriebsart und Steuerung
Bei der Aufstellungsart unterscheidet man die stationäre Nassaufstellung mit Kupplungssystem (die Pumpe wird zur Wartung gehoben, ohne den Schacht zu betreten), die einfachere Nassaufstellung mit Stützfuss für temporäre Installationen sowie den mobilen Betrieb. Die Betriebsart trennt Dauerbetrieb (S1, Motor untergetaucht) vom Aussetzbetrieb (S3 in 10-Minuten-Intervallen, z. B. S3 = 30 % bedeutet 3 Minuten Betrieb, 7 Minuten Pause). Die Niveausteuerung erfolgt entweder über einen angebauten Schwimmerschalter (einfach, robust) oder über ein Steuergerät mit Drucksonde, das zusätzlich Überwachungs- und Alarmfunktionen bietet.
Schnellzuordnung nach Einsatz
Regen- & leicht verschmutztes Wasser im Haus
Mehrzweckpumpe aus Edelstahl (Birox)
Salzwasser bis 15 % / Enthärtungsanlagen
Kunststoffpumpe mit Edelstahlwelle (Willy)
Saures Brennwert-Kondensat
Kunststoffpumpe mit Edelstahlwelle (Willy)
Abwasser ohne Fäkalien, grössere Mengen, stationär
Graugusspumpe mit Ein- oder Wirbelrad (TopLine)
Aggressive Industrie-/Gewerbemedien mit Feststoffen
Edelstahlpumpe 1.4436 (TopLine-C)
Baustelle & Baugrube trocken halten, Grundwasserabsenkung
Bau- und Schmutzwasserpumpe mit Mantelkühlung (Constra)
Hochwasserschutz & Noteinsatz bei Überflutung
Bau- und Schmutzwasserpumpe mit Mantelkühlung (Constra)
Fäkalienhaltiges Abwasser
Fäkalien- und Kanalradpumpen (FET, FWX, FMX, FSX)
Fazit
Die richtige Pumpe ergibt sich aus dem Medium, dem Betriebspunkt und der Aufstellung – nicht aus dem Datenblatt allein. Im Zweifel bringt der Vergleich des berechneten Betriebspunkts mit der Pumpenkennlinie Klarheit; bei chemisch belasteten oder abrasiven Medien lohnt sich eine werkstoffseitige Abklärung.
Häufige Fragen
Bewegt Mensch und Element